Käthe Kollwitz


Nie wieder-

Eine Auseinandersetzung mit Käthe Kollwitz und ihrem Werk

Klasse 6a, 2017, Museumsbesuch und 4 Doppelstunden

Aufbau der Unterrichtseinheit:

  • Museumsbesuch: Käthe-Kollwitz-Museum Berlin
  • Biografie Käthe Kollwitz im Kontext ihrer Zeit : Unterrichtsgespräch, 1 Doppelstunde
  • Nie wieder Krieg: Betrachtung des Plakates 20 min
  • Nie wieder: Vorstellung des Themas und praktische Arbeit, 3 Doppelstunden

Museumsbesuch

Wir feiern dieses Jahr den 150. Geburtstag von Käthe  Kollwitz.

Ihre Kunst war nie angepasst oder politisch korrekt, schon früh in ihrer Laufbahn erregte sie Anstoß, ihre Plakate provozierten und zeigten bestehende Missstände in der Gesellschaft auf.

Bei einem Besuch im Käthe-Kollwitz-Museum findet eine erste Auseinandersetzung mit dem Werk der Künstlerin statt.

Zunächst erforschen wir allein mit unserem Tastsinn  ihre Skulpturen, endlich dürfen wir etwas in einem Museum im wahrsten Sinne des Wortes  begreifen! Die Bronzestaturen beeindrucken  in ihrer Ausdruckskraft und Detailgenauigkeit.

Jede Sehne, jeder Knöchel einer Hand oder eines Fußes ist erfühl-und erkennbar! Wie fein die Gesichter der Kinder gearbeitet sind. Die Schüler*innen können sich kaum von den Skulpturen lösen, so viel Spaß macht es, mit den Fingern die Feinheiten zu ertasten und ihnen nachzufahren.

Zum Abschied winkende Frauen und Kinder, eine  riesengroße Mutter, die ihre zwei Kinder beschützend umschließt, eine Frauengruppe, die kleine Kinder hinter ihren Schürzen und Röcken versteckt, werfen Fragen auf.

Mit Beginn des ersten Weltkrieges verändert sich das Leben der Kollwitz schlagartig. Ihre Söhne ziehen in den Krieg. Peter, der jüngere, freiwillig und mit Käthes Erlaubnis gegen die Bedenken des Vaters. Kurze Zeit später stirbt Peter in Belgien an der Front. Er ist der erste Gefallene in seinem Regiment.

"Saatfrüchte dürfen nicht vermahlen werden", dieses Goethe-Zitat begleitet ab jetzt ihr ganzes Leben und ihre Kunst.

Praktische Arbeit:

Die Schüler*innen betrachten das Plakat, seine Aussage ist eindeutig, die Figur sehr markant. Das Plakat wurde mit Kohle gezeichnet, es ist von 1924.  Zehn Jahre nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde es von Käthe Kollwitz gemalt. Anlass war eine gleichnamige Massenkundgebung in ganz Deutschland.

Der junge Mensch  auf dem Plakat hat seine rechte Hand zum Schwur erhoben. Mit der linken Hand auf  seinem Herzen ruft er laut und eindringlich: Nie wieder Krieg!!

Im Anschluss an diese Betrachtung erhalten die Kinder von mir eine Kopie der Figur auf einem A3 Blatt.

Das Thema ihres Bildes soll: Nie wieder! heißen.

Arbeitsauftrag:

  • Was  soll deiner Meinung nach nie wieder passieren, wogegen würdest du aufschreien und protestieren?
  • Überlege dir ein  Thema, das dich persönlich interessiert und beschäftigt!
  • Mache dir Notizen und Stichpunkte zu deinem Thema.
  • Wie kannst du es am besten darstellen und umsetzen? Welche Techniken  und Materialien eignen sich besonders für die Umsetzung deines Themas?
  • Du darfst malen, zeichnen, collagieren, montieren  ...

In einer Zwischenbesprechung haben wir über die Wirkung von Plakaten und deren bildnerische Mittel gesprochen: z.B. Signalfarben, Kontraste, große Schrift, übergroße Darstellung von wichtigen Bildelementen. Die Aussage des Bildes, das Thema, sollte mit einem Blick erfasst werden können. 

Die Vielfältigkeit der dargestellten Themen war sehr erfreulich und die Inhalte bezogen sich nicht nur auf gesellschaftlich und soziale sondern auch auf sehr persönliche Zustände und Erfahrungen und "Nie wieder Urlaubsende"  würden wir doch wohl alle unterstreichen!!                                                                                            

Eine Biografie über das Leben von Käthe Kollwitz im Kontext ihrer Zeit kann gerne bei mir angefordert werden.

Ich finde  Künstlerbiografien bieten die unglaubliche Chance, die politischen Zustände der damaligen Zeit anhand eines Schicksals greifbar zu machen, denn sie werfen viele Fragen auf. Durch  die Biografie von Käthe Kollwitz ergaben sich 

folgende Fragen, die wir im Unterricht lebhaft diskutiert haben.

  • Wie wurden Kinder Mitte des 19 Jahrhunderts erzogen? Wenn Käthe als kleines Kind einen ihrer zahlreichen Wutanfälle bekam, wurde sie von ihren Eltern mit Zuckerstücken so lange gefüttert, bis sie still war. War dies typisch für diese Zeit?
  • Wieso sind so viele Kinder damals gestorben? Von Käthes Geschwistern sind drei gestorben, von den 10 Geschwistern ihres Mannes gar 9. Kinder.
  • Ab wann durften Frauen an der Universität studieren? Käthe durfte nur auf eine Malakademie für Frauen gehen, eine Universität durften nur die Männer besuchen.
  • Wieso sagt man 1. Weltkrieg, welche Länder waren an diesem Krieg beteiligt? Wer hat diesen Krieg angefangen?
  • Wieso sind die jungen Männer und Maler begeistert in den Krieg gezogen? 
  • Was heißt entartete Kunst?
  • usw. :)